
Vorurteile Zeitarbeit
Vorwort
Die Zeitarbeitsbranche wird schon immer von Vorurteilen begleitet, die sich in den Köpfen der Menschen verfestigt haben. Jedoch basiert diese Sicht auf Unwissenheit darüber, was Zeitarbeit ist und wie diese wirklich funktioniert. Typische Sätze, die man häufig zu Ohren bekommt, sind:
„Ist das noch normal oder Sklavenhandel?“
„Mitarbeiter von Personaldienstleistern haben wenige bis keine Rechte.“
„Man bekommt viel weniger Geld als normale Arbeitnehmer.“
„Es gibt keinen „echten“ Arbeitsvertrag.“
Auch das Vorurteil, ein Leiharbeitnehmer würde nur „von Unternehmen zu Unternehmen gereicht“ hält sich hartnäckig.
Dabei lassen sich diese Vorurteile schon meist leicht aus dem Weg räumen:
Macht sich „Zeitarbeit“ schlecht im Lebenslauf?
Nein. Es ist für Firmen nicht wichtig, ob eine Person vorab über einen Personaldienstleister beschäftigt wurde. Heutzutage interessiert es den professionellen Personalverantwortlichen nur noch welche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungswerte ein Bewerber mitbringt. Der Lebenslauf dient eher zur Orientierung ob bereits Erfahrungen oder Kenntnisse aus bspw. ähnlichen Unternehmenszweigen vorhanden sind.
Zeitarbeit ist kein „richtiger“ Arbeitsvertrag!
Doch natürlich! Es findet immer ein rechtsgültiger Arbeitsvertrag Anwendung, unabhängig davon, ob man über einen Personaldienstleister oder bei einem Unternehmen direkt eingestellt wird. Im Arbeitsvertrag werden unter anderem alle Formalitäten wie Berufsbezeichnung, Urlaubsanspruch, Vergütungen usw. geregelt. Kündigungsschutz, Kündigungsfristen sowie Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall gelten genauso. Lediglich beim Arbeitsort gibt es einen Unterschied, denn der Leiharbeitnehmer ist nicht direkt bei seinem Arbeitgeber, sondern in dessen Kundenunternehmen tätig.
Zeitarbeitnehmer verdienen viel weniger Geld!
Eher das Gegenteil! Der Mindestlohn in der Personaldienstleistungsbranche liegt bereits seit vielen Jahren über dem gesetzlichen Mindestlohn. Zudem werden die Tarife kontinuierlich angepasst. Die Entgelte von Leiharbeitnehmern sind an Tarifverträge gebunden und müssen sich streng an der Qualifikation und Berufserfahrung der Bewerber sowie den Stellenanforderungen orientieren.
Zeitarbeitnehmer haben weniger Rechte!
Nein. Die Grundsätze des Equal Treatment (Gleichstellungsgrundsatz) und des Equal Pay (gleichwertige Entlohnung) stellen die Leiharbeitnehmer in den weitesten Bereichen der Stammbelegschaft gleich.
Kein Einsatz – kein Geld!
Auch diese Aussage ist nicht richtig.
Sollte es einmal vorkommen, dass kein nahtloser Übergang zwischen zwei Einsätzen stattfinden kann, dann wird der Leiharbeitnehmer weiterhin trotzdem bezahlt – das Risiko trägt in diesem Fall der Personaldienstleister. Auch die Sorge, direkt entlassen zu werden ist nicht notwendig. Ein paar Tage einsatzfreie und trotzdem bezahlte Zeit können in der Regel problemlos überbrückt werden. Das war/ist auch die Grundidee hinter dem Modell der Zeitarbeit und den damit eng verbundenen Zeitkonten.
Zeitarbeit ist nichts für Fachkräfte!
Das war zu Beginn der Zeitarbeitsbranche tatsächlich so. Doch das hat sich stark verändert. Denn kleine, mittelständische und auch große Unternehmen lassen sich beim Recruiting immer mehr von Personaldienstleistern unterstützen, da sie den hohen finanziellen und personellen Aufwand intern kaum noch betreiben wollen und können. Professionelle Personaldienstleister, die ihre Bewerber nicht nur wie “eine Kuh im Niedriglohnsektor melken wollen“, bieten sogar überwiegend Stellen für Fachkräfte an. Es lohnt sich also auch für Fachkräfte diese Stellenangebote durchzuschauen und sich eine unverbindliche Beratung bei dem entsprechenden Personaldienstleister zu holen. In vielen Fällen ist es so, dass die Konditionen viel besser sind, denn Unternehmen sind akut auf der Suche nach Fachkräften und bereit entsprechende Prämien, Zuschläge und Übernahmemöglichkeiten anzubieten, auch wenn die Einstellung vorab über den Personaldienstleister stattfindet.
Fazit
Wie man hier gut erkennen kann, lassen sich die gängigsten und über Jahre hinweg entstandenen Vorurteile über Zeitarbeit aus dem Weg räumen.
Tatsächlich ist es sogar so, dass man auch über Zeitarbeit seine Karriereleiter Schritt für Schritt besteigen kann. Das gilt für Hilfs- und Fachkräfte gleichermaßen. Die Wahrscheinlichkeit einer Karriere ist manchmal sogar größer, da die Leiharbeitnehmer ein weitläufigeres Spektrum an Erfahrungen mit sich bringen und dadurch für die Unternehmen attraktiver wirken.
Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil kann sein, dass ein Teil der Bewerber, der sich direkt bei dem Kundenunternehmen bewirbt, fällt durch ein sogenanntes „Raster“, weil die Unternehmen die Bewerber oft nach gewissen Voraussetzungen einladen können. Die Ressourcen und Kapazitäten zum Führen mehrerer Bewerbungsgespräche sind oft nicht vorhanden. Diese „Raster“ gibt es auch bei Personaldienstleistern nur in abgeschwächter Form. Diese haben viel mehr Spielraum, um sich mehrere Bewerber anhören zu können. Somit erhalten auch die Bewerber, die durch das klassische Raster fallen würden, eine Chance sich vorzustellen.
Tipps für Bewerber bei Zeitarbeitsunternehmen
Hier noch ein paar Tipps, woran man einen professionellen Personaldienstleister erkennen kann:
- Keine überwiegend schlechten Bewertungen z. B. im Internet (Google Rezensionen)
- Ordentlicher und freundlicher Empfang des Bewerbers – Wertschätzung
- Ein professioneller Personaldienstleister lässt einen Bewerber nicht mit einem Zettel allein, welcher ausgefüllt werden soll
- Man nimmt sich Zeit, um auf die persönlichen Bedürfnisse des Bewerbers einzugehen und schenkt ihm seine volle Aufmerksamkeit
- Beantworten vom Bewerber gestellte Fragen respektvoll und ausführlich
- Sollte man sich als Bewerber genötigt oder bedrängt fühlen durch eine „penetrante Vermittlungsart“ (z. B. sofort Vertrag unterschreiben oder dergleichen) so ist der Weg nach draußen der richtige. Es gibt andere Dienstleister, die ihre Mitarbeiter freundlich und respektvoll behandeln.
- Der Ansprechpartner kennt die Anforderungen der Arbeitsplätze, da dieser sie vorher bereits gesehen hat. Somit ist Arbeitssicherheit kein Fremdwort

